Beiträge von Selke

    Ort des Geschehens: Konferenzraum der Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix Soleta Senichi Tanaka Cameron Mitchell (erwähnt)

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:20 Uhr ff.

    Status: Roter Alarm


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    Dieses Gerät, das Lieutenant Commander Soleta mitgebracht und auf dem Tisch im Konferenzraum der Benjamin Franklin abgelegt hatte, wurde von Captain Anderson nur kurz betrachtet. Ensign Selke nahm dies zur Kenntnis, und dieser nur kurze Blick sagte ihr, dass er offenbar ziemlich genau wusste, was es war. ###Und das wiederum bedeutet, dass er definitiv mehr weiß.### Seine folgenden Worte bestätigten ihr dies, zumal er auch direkt erwähnte, dass es nunmal Dinge gab, die unter Verschluss zu halten waren. ###Dachte ich's mir doch. Hatte mein Instinkt, was diesen Punkt betrifft, also vollkommen recht. Somit besteht tatsächlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Franklin etwas damit zu tun hat, was auch erklären würde, weshalb sie so schnell bei uns waren. Nur habe ich außer meinem Verdacht nichts Greifbares.### Das wurmte die Romulanerin. ###Und nun kann er sich praktischer Weise hinter diesem Mantra verstecken, dass manche Dinge hinter Verschluss bleiben müssen.### Nicht, dass sie das nicht kennen würde. Es war ja auch nicht so, dass da nichts dran war. Manche Dinge waren nunmal nicht für jedermann bestimmt. Aber dieses Ding hatte ihr Schiff beschädigt, und es wäre schon schön gewesen zu erfahren, was ihnen solche Probleme bereitet hatte. Aber so was das nunmal. ###Wie war das? Manchmal verliert man, manchmal gewinnen die anderen...### Sie hoffte, dass Commander Soleta und Lieutenant Mitchell Daten hatten gewinnen können, die dieses Rätsel lösen konnten.


    Commander Rix' Anmerkung, dass dieses Gerät sie nicht hier, sondern in ihrem Universum getroffen und für den Energieverlust gesorgt hatte, mit dem sie zu kämpfen gehabt hatten, perlte an Anderson ab. Auch das nahm Selke zur Kenntnis. ###Gut, wir stammen aus einem anderen Universum, und die wissen noch nicht, ob sie uns vertrauen können, was momentan wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Aber ein solches Verhalten, wie er es hier an den Tag legt, erinnert mich doch eher an geheimdienstliche Aktivitäten###, sinnierte sie. Vor allem auch, weil dieses Gerät auf Geheiß Captain Andersons gesondert und extra gesichert verwahrt werden sollte. ###In was, bei allen Elementen, sind wir hier hineingeraten? Testen die hier neue Technologie, und wir haben da zufällig was 'gefunden', was die 'verloren' haben?### Sie wusste es nicht, und ohne weitere Informationen würde alles weitere bloße Spekulation bleiben.


    Die Ansage hingegen, unter Quarantäne gestellt zu werden, gefiel Selke zwar auch nicht, aber in gewisser Hinsicht ergab das trotzdem Sinn. Sie waren ein Fremdkörper hier, und es musste erst einmal geklärt werden, was es mit ihnen auf sich hatte. Das konnte Selke nachvollziehen. ###Trotzdem. Klingt, als wären wir mit irgendetwas hochgradig ansteckendem infiziert...### Immerhin, die Franklin würde die Shenzhou zu einer Starbase schleppen, und auch wenn sich dort die Starfleet Sicherheit erst einmal mit ihnen befassen würde, würde man dort auch die notwendigen Reparaturen vornehmen können, was gut war. ###Ich frage mich nur, wie hier in diesem Universum das Verhältnis zum Romulanischen Reich ist. Schon bei uns war es bisweilen für mich nicht einfach, obwohl ich eingebürgert wurde, und Commander Rix war die einzige, die sich überhaupt bereit erklärt hat, mich in ihre Crew zu holen. Die Vorbehalte wegen meiner Herkunft waren bei vielen einfach zu groß.###


    Selke zwang ihre Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. Sofern Soleta jetzt nichts mehr zu sagen hatte, wäre ihr Besuch hier an Bord beendet, und Selke war da nicht unglücklich drüber. Zum einen fühlte sie sich in der Gegenwart von Commander Ataak nicht allzu wohl, zum anderen empfand sie Misstrauen gegenüber Captain Anderson und war dementsprechend froh, aus dessen Dunstkreis verschwinden zu können.



    [Wörter: 575]

    Ort des Geschehens: Konferenzraum der Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix Soleta Senichi Tanaka  

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:15 Uhr

    Status: Roter Alarm


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    Ensign Selke war gespannt, was Lieutenant Commander Soleta da mitgebracht hatte, und noch mehr, was wohl Captain Anderson dazu zu sagen haben würde. Dass die Vulkanierin die doch recht unhöfliche Art des Captains der Benjamin Franklin überging, hätte die Romulanerin eigentlich nicht überraschen dürfen, und doch ertappte sie sich dabei. Obwohl sie inzwischen oft genug mit Vulkaniern zu tun gehabt hatte, vergaß sie immer wieder, dass diese manche Dinge einfach anders bewerteten.


    Als Soleta dann darauf hinwies, dass es vielleicht nicht verkehrt wäre, wenn Anderson seinen eigenen leitenden Wissenschaftsoffizier hinzu ziehen würde, reagierte die Romulanerin instinktiv mit erhöhter Aufmerksamkeit. ###Jetzt wird's interessant###, dachte sie. ###Anstatt unsere LWO von einem Mitglied der Sicherheit abholen zu lassen, hat er Ensign Tanaka geschickt, der ja bereits mit in der Besprechung und somit mehr oder minder eingeweiht war. Da hatte ich schon den leisen Eindruck, dass Anderson nicht mehr Leute mit hineinziehen möchte, als unbedingt erforderlich. Bin mal gespannt, was er jetzt macht.### Halbwegs entspannt da sitzend beobachtete sie den Captain der Franklin, dabei auch auf kleinste Signale der Körpersprache achtend. Zwar konnte sie nach den wenigen Jahren, die sie nun in der Föderation lebte, Menschen und andere Nicht-Romulaner noch immer nicht so gut lesen wie Angehörige ihres eigenen Volkes, doch in den meisten Fällen gaben ihre Beobachtungen gepaart mit ihrem Instinkt schon ein recht verlässliches Bild. ###Wird er seinen eigenen LWO dazu holen, oder wird er sich dem verweigern? Oder zumindest zögern?### Das war für Selke in dieser Situation eine berechtigte und interessante Frage, denn aktuell stufte sie Captain Anderson nicht unbedingt als Freund ein. ###Wenn ich ehrlich bin, sehe ich ihn derzeit nicht einmal wirklich als Verbündeten###, sinnierte sie und fragte sich gleich, ob das mal wieder ein Anfall typisch romulanischer Paranoia war, oder ob hier tatsächlich ihr Instinkt anschlug. Nun, die folgenden Minuten und vor allem das Verhalten Andersons und seiner Leute während dieser würde es zeigen. Und mehr als ihre Augen offen zu halten und wachsam zu bleiben, konnte sie momentan eh nicht.


    Lieutenant Commander Soleta lenkte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf das Gerät, das sie mitgebracht und auf den Tisch des Konferenzraums gelegt hatte. Auch Selke warf einen Blick darauf, konnte aber mit dem Ding nichts anfangen und richtete ihre Aufmerksamkeit daher lieber wieder auf die Offiziere der Franklin, während sie Soleta zuhörte. ###Dieses Ding stammt also aus diesem Universum hier? Interessant...### Selke fragte sich, was Captain Anderson dazu sagen würde, sofern er sich überhaupt dazu äußern würde. Sicher, es war unwahrscheinlich, dass er etwas damit zu tun hatte, dass dieses Ding in der Außenhülle der Shenzhou gelandet war. ###Tatsächlich? Ich hatte doch vorhin den Eindruck, wir wären hier unerwünscht. Und er hätte mit seinem Schiff einen anderen Auftrag, sagte er. Was, wenn er und seine Leute doch irgendwie damit zu tun haben und mehr weiß, als er momentan zugibt? Und wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schiff so dicht an einem havarierten dran ist, dass es so schnell vor Ort sein kann wie die Franklin bei uns?### Das Misstrauen, das bei Rihannsu fest eingebaut war oder zumindest mit der Muttermilch aufgesogen und durch jahrelange Konditionierung verfestigt wurde, verstärkte sich. ###Entweder werde ich jetzt wirklich paranoid, oder er weiß wirklich mehr, als er uns zeigt. Irgendwie gefällt mir die Situation hier immer weniger.### Trotz dieser Gedanken blieb Ensign Selke erstaunlich ruhig und gelassen, wurde sogar ruhiger, ein Phänomen, dass sie an sich schon öfter erlebt hatte.


    ###Soleta hofft also auf Unterstützung bei der Untersuchung... Eigentlich logisch, wenn das Gerät aus diesem Universum stammt. Mal sehen, wie der Captain reagieren wird.### Selke beobachtete ruhig, was sich bei den Leuten tat. ###Und sie muss sich ziemlich sicher sein, dass er seinen LWO tatsächlich hinzu zieht. Damit bleibt ihm eigentlich keine andere Wahl. Mal sehen, wie gerne er das tut.### Und während der Wartezeit wollte Soleta ihre Gastgeber über das Geschehene unterrichten. ###Auch da bin ich auf die Reaktionen gespannt. Ich tippe zwar mal auf Skepsis und Unglaube, aber wer weiß, wer weiß...### Ensign Selke war sich sicher, dass die nächsten Minuten zeigen würden, woran sie waren.



    [Wörter: 678]

    Ort des Geschehens: Konferenzraum der Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix Senichi Tanaka Soleta  

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:10 Uhr ff.

    Status: Roter Alarm


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    Ein wenig amüsiert war Ensign Selke schon, als Captain Anderson von Commander Soleta forderte, unbewaffnet an Bord zu kommen. Immerhin waren sie selbst, Commander Rix und Lieutenant Taylor nicht unbewaffnet erschienen, und dazu hatte Anderson keinen Ton gesagt. ###Bekommt er jetzt etwa Angst, wir könnten plötzlich planen, sein Schiff zu übernehmen?### Der Gedanke erheiterte die Romulanerin. ###Sicher, es ist doch so üblich, oder nicht? Mein Schiff ist kaputt, ich nehm' mir mal deins...### Plötzlich hatte sie eher Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen. Da die Situation jedoch nach wie vor ernst war, gelang es ihr glücklicherweise.


    Als Ensign Tanaka den Raum verlassen hatte, meldete sich Commander Rix zu Wort und ging auf die Sache mit der Zugriffsberechtigung ein. ###Ihr gefällt das also auch nicht. Und sie ist strikt dagegen. Gut. Damit sind wir auf einer Linie, was das betrifft, auch wenn unsere Gründe erst einmal unterschiedlich waren. Egal. Zumindest sind wir uns einig, und das alleine zählt.### Die Romulanerin sah zwar nicht zu ihrer Kommandantin, doch Rix' Tonfall sprach Bände: Sie würde in diesem Punkt keinen Millimeter zurückweichen. Selke bemerkte auch, dass Anderson offenbar etwas dazu sagen wollte, doch Commander Rix zeigte ihm mit einer Geste, dass sie noch nicht fertig war und gab ihm auch noch den Rest ihrer Erklärung. Und ja, dieses Prozedere, das sie nannte, war auch Selke bekannt. Die Sicherheitsoffizierin nickte ganz bewusst, um so eine zusätzliche nonverbale Bestätigung zu geben, sowohl als Zeichen an Captain Anderson, dass dem tatsächlich aus ihrer Sicht so war, als auch als Signal an Commander Rix, dass sie hinter ihr stand.


    Es war offensichtlich, dass es Captain Anderson nicht gefiel, dass Commander Rix seine Forderung ablehnte, doch Ensign Selke konnte das relativ egal sein. Es war Rix' Entscheidung, und sie selbst als amtierender Sicherheitschef konnte diese Entscheidung voll und ganz mittragen, denn auch sie hatte etwas dagen, einem Ensign eine solch hohe Sicherheitsfreigabe zu erteilen, wenn er doch nur die Logbücher überprüfen sollte. Dennoch, es war eine unangenehme Situation, die eine nicht minder unangenehme Stille im Raum nach sich zog. ###Hier könnte man wirklich eine Stecknadel fallen hören###, dachte Selke und behielt Anderson und Ataak auch weiterhin im Auge, sicher, dass besonders Commander Ataak genau dies mit ihnen ebenso tun würde.


    Diese unangenehme Stille wurde schließlich durch das Zischen der Tür durchbrochen, als Ensign Tanaka zurückkehrte und dabei Lieutenant Commander Soleta mitbrachte. Offenkundig war es für Captain Anderson eine willkommene Möglichkeit, ganz schnell das Thema zu wechseln. Und dennoch. Sein Tonfall... ###Wie hat er das gerade gesagt? 'Nun, Soleta, was gibt es denn so Dringendes, das Sie uns persönlich zeigen müssen?' Er sollte wirklich auf seine Wortwahl achten! Er lässt ihren Rang unter den Tisch fallen, und die Art, wie er den Satz formuliert hat, klang beinahe schon genervt. Kann es sein, dass wir ihm hier gerade aus seiner Sicht seine kostbare Zeit stehlen?### Bei diesem Gedanken meldete sich erneut das noch nicht verschwundene miese Gefühl in der Magengegend und erinnerte sie daran, dass die Sache womöglich noch nicht ausgestanden war. Doch Selke war auch Romulanerin genug,um jetzt erst einmal Neugier zu verspüren, denn auch sie wollte nun zu gerne wissen, was das für ein Ding war, um das es ging.



    [Wörter: 531]

    Ort des Geschehens: Konferenzraum der Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix Senichi Tanaka (erwähnt) Soleta (erwähnt)

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:07 Uhr

    Status: Roter Alarm


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    Hatte es gerade noch so ausgesehen, dass die Besprechung im Konferenzraum der Benjamin Franklin beendet war, so änderte sich dies schlagartig, als sich Commander Soleta über den Kommunikator meldete, und diesmal so, dass es jeder hier mitbekam. Captain Anderson überlegte kurz und befahl Ensign Tanaka dann, sich in den Transporterraum zu begeben, und Commander Soleta dort in Empfang zu nehmen, um sie anschließend in den Konferenzraum zu führen. Ensign Selke seufzte innerlich gleich mehrere Male, denn sie hatte gehofft, hier schnellstmöglich wieder verschwinden zu können. Doch nun sah es ganz danach aus, als wenn sie sich noch ein paar Minuten länger würde gedulden müssen. Und dass Geduld nicht unbedingt ihre Stärke war, wurde ihr zum wiederholten Male an diesem Tage klar. Doch eines irritierte die Romulanerin. ###Was denn? Haben die hier keine Sicherheitsoffiziere an Bord, die Gäste in Empfang nehmen können, dass die dafür einen taktischen Offizier missbrauchen? Oder ist die Föderation mittlerweile so sicher, dass der TO so wenig zu tun hat, dass der anderweitige Aufgaben erfüllen kann?### Sie wusste es nicht. Vielleicht war es auch nur eine Marotte des Captains. ###Oder er will nicht mehr Leute da hinein ziehen als nötig.### Kam da etwa wieder ihre Erziehung durch? Möglich. Selke zuckte gedanklich die Schultern. ###Und was mag das sein, das Captain Anderson sich am besten selbst ansehen soll?### Zugegeben, jetzt erwachte dann doch die Neugier und gesellte sich zu ihrer Ungeduld.


    Die Forderung indes, dass Commander Rix Ensign Tanaka mindestens SACL 3 geben sollte, nötigte der Romulanerin eine Menge Selbstbeherrschung ab, in dem Augenblick keinen Laut von sich zu geben oder anderweitig zu reagieren. ###Damit hätte Ensign Tanaka vorübergehend die gleiche Zugriffsberechtigung wie Commander Rix und Commander Valeris###, schoss es ihr durch den Kopf. ###Und das war gerade eine Mindestanforderung! Aber SACL 4 oder höher kann Commander Rix gar nicht aussprechen. Das könnte nur das Oberkommando.### Das alleine störte Selke noch nicht so sehr, denn im Rahmen der gewünschten Aufklärung ergab dies durchaus Sinn. Aber das 'mindestens' darin störte sie. ###Und wenn er SACL 3 bekommt, kann ich unseren Gast nicht vollständig im Auge behalten, weil einige Bereiche sich mir dadurch entziehen werden. Es sei denn, ich erhalte vorübergehend entsprechende Freigaben, die es mir gestatten würden, damit ich unseren Gast möglichst effizient im Auge behalten kann. Das allerdings liegt nicht bei mir, und ich weiß nicht, wie weit Commander Rix diesen Leuten vertraut. Ich sollte in Erwägung ziehen, gleich kurz unter vier Augen mit ihr zu reden und sie darauf hin zu weisen. Wir lassen damit immerhin Fremde in unseren Daten herumwühlen, von denen wir noch immer so gut wie nichts wissen. Und momentan bin ich für die Sicherheit verantwortlich. Ich will zwar nicht dastehen, als wäre ich paranoid, aber wir sind auch nicht in einer Position, in der wir uns zu großes Vertrauen leisten können. Sicher, wir sind auf Hilfe angewiesen, aber wir dürfen deshalb unsere Wachsamkeit nicht sinken lassen. Gerade jetzt nicht, wo Schiff und Crew so lädiert sind.###


    Ensign Selke wusste, dass ihnen ohnehin noch einiges bevorstehen mochte. Wenn es stimmte, was Commander Rix zuvor gesagt hatte, nämlich dass sie auch einen Zeitsprung gemacht hatten, würden sie es wohl bald mit Ermittlern aus der Abteilung für temporale Angelegenheiten zu tun bekommen, oder mit dem Geheimdienst der Sternenflotte. Im schlimmsten Fall sogar beiden. Nichts, worauf die Romulanerin sich sonderlich freute. ###Ich sehe schon, das wird noch richtig lustig werden...### Selke lehnte sich zurück und versuchte, ruhiger zu wirken, als es in ihr aussah, und warf zwischendurch mal einen unauffälligen Blick auf Commander Rix in der winzigen Hoffnung, dass sie erkennen konnte, was in der Trill wohl vorgehen mochte. Allerdings hatte sich diese bislang ziemlich gut unter Kontrolle gehabt, und deshalb blieb der Blick auch nur kurz. Statt dessen konzentrierte sich Selke lieber wieder auf Anderson und Ataak.



    [Wörter: 631]

    Ort des Geschehens: Konferenzraum der Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix Senichi Tanaka  

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:06 Uhr

    Status: Roter Alarm


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    Nachdem sich alle im Konferenzraum niedergelassen hatten, kam Captain Anderson praktisch sofort zur Sache, und Ensign Selke hatte den Eindruck, dass das Commander Rix entgegen kam. Mit ihrem feinen Gehör bekam die Romulanerin mit, dass ihr Captain kurz darauf offenbar eine Nachricht erhielt, die nur für sie bestimmt war, denn selbst ihr romulanisches Gehör fing keinerlei Einzelheiten auf. Doch sie speicherte diese Information für eventuellen späteren Gebrauch. Die Sicherheitsoffizierin beobachtete ihre Gastgeber, während Commander Rix ihre erste Erklärung abgab. ###Klingt beinahe, als würde Rix versuchen, Zeit zu schinden###, sinnierte die Romulanerin. ###Ich frage mich, welchen Grund sie dafür hat.### Als Captain Anderson ihnen dann jedoch erklärte, dass sie sich im Regulus System befanden, war Selke überrascht. ###Fvadt! Ganz schön weit weg vom Ausgangspunkt...###


    Doch die nächste Überraschung folgte, als Commander Rix aus Selkes Sicht vollkommen überraschend Captain Anderson gegenüber erwähnte, dass aus seiner Sicht der Dominion Krieg bereits vor vierundzwanzig Jahren geendet hatte, für die Crew der Shenzhou hingegen erst vor zwei. Zwar versuchte Ensign Selke, ihre Selbstbeherrschung zu wahren, doch es gelang ihr nicht vollständig. Mit einem leisen, überraschten Laut wandte sie ihren Blick kurz zu Commander Rix, bevor sie Blick und Konzentration mehr oder minder gewaltsam wieder auf ihre Gastgeber richtete. Allerdings fiel es ihr nun deutlich schwieriger, ihre Gedanken im Zaum zu halten, denn Rix' Worte bedeuteten, dass sie einen Sprung in die Zukunft gemacht hatten. ###Und Zeitsprünge bringen meist Probleme mit sich###, schoss es der Romulanerin durch den Kopf. ###Zweiundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit, und da kann eine Menge passieren. Und wir wissen derzeit absolut nichts! Wir brauchen Informationen, und das so schnell wie möglich...### Erst nachdem sie diesen Gedanken abgefertigt hatte, war es ihr möglich, sich wieder voll zu konzentrieren und dem weiteren Gespräch zu folgen.


    ###So, so, er will uns hier festsetzen. Ist ja nicht so, dass wir hier in Windeseile verschwinden könnten...###, dachte Selke in einem Anflug von Sarkasmus. Aber natürlich hatte auch sie als Sicherheitsoffizier von entsprechenden Prozeduren gehört. Man konnte sie mögen oder nicht, es war nun mal so, wie es war. Und mit einer Überprüfung hatten sie rechnen müssen, denn ihre Geschichte klang für normale Ohren zunächst einmal ziemlich merkwürdig, wenn nicht gar unglaubwürdig und verlangte danach, überprüft zu werden. Was Ensign Selke hingegen wunderte, war, dass nicht etwa die Logbücher überspielt werden sollten, sondern dass Ensign Tanaka zu ihnen an Bord kommen und die Logbücher selbst überprüfen sollte. ###Warum? Das Überspielen wäre viel schneller, die Überprüfung könnte auf der Benjamin Franklin selbst vorgenommen werden. Was bezweckt Captain Anderson damit?### Der Romulanerin gefiel das nicht sonderlich, zumal sie noch immer ein ungutes Gefühl hatte. Das ungute Gefühl, das sie seit dem frühen Morgen gehabt hatte, war noch nicht vollends verschwunden, und so traute sie dem Braten noch nicht. Und jetzt sollte ein Offizier der Benjamin Franklin mit auf die Brücke der Shenzhou? Nun gut, das würde sich wohl nicht umgehen lassen, sofern Commander Rix dem nicht widersprach. Und danach sah es nicht aus, denn sie brauchten ja die Hilfe der Benjamin Franklin. ###Also werde ich Ensign Tanaka die Station neben meiner zur Verfügung stellen. Der Kollege dort ist verletzt ausgefallen, die Station somit unbesetzt. Damit bin ich direkt neben ihm und kann ihn unauffällig im Auge behalten###, überlegte Selke.


    Dass Captain Anderson ihnen Hilfe zusagte, und ihnen Hilfskräfte schickten wollte, war zwar ein gutes Zeichen, doch Selke war vielleicht noch zu sehr Romulanerin, um vollkommen zu vertrauen. Sie würde sich wohl erst wieder entspannen, wenn die Shenzhou sich wieder aus eigener Kraft vom Fleck rühren konnte und ihre Situation geklärt war. Doch zunächst einmal mussten sie zurück auf ihr Schiff, wo die Sicherheitsoffizierin ihren Gast unauffällig aber gründlich im Auge behalten würde. Und da Captain Anderson bereits meinte, dass sie mit der Überprüfung anfangen sollten, war dieses Gespräch wohl auch beendet. Dementsprechend erhob sich Ensign Selke, bereit, zur Shenzhou zurück zu kehren.



    [Wörter: 643]

    Ort des Geschehens: Benjamin Franklin, Transporterraum ---> Konferenzraum

    Beteiligte Personen: Junia Rix Senichi Tanaka (erwähnt)

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 12:05 Uhr ff.

    Status: Roter Alarm


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    Die Begrüßung an Bord der Benjamin Franklin war schon mal freundlich ausgefallen, genau so, wie man es unter Offizieren der Sternenflotte an sich auch erwarten durfte. Das erleichterte Ensign Selke ein wenig, doch sie würde wachsam bleiben. ###Wir wissen nichts über diese Leute, und dass sie uns nicht gleich hier und jetzt ausgeschaltet haben, mag nur daran liegen, dass sie erst einmal auf die höfliche Art versuchen wollen, Informationen von uns zu bekommen.### Dachte sie da vielleicht zu negativ? Kam hier ihre Erziehung als Kind zweier Tal'Shiar-Offiziere durch? Egal. Fakt war, sie waren nicht mehr in ihrem vertrauten Universum und mussten auf so ziemlich alles gefasst sein. Auch darauf, dass die Sternenflotte hier vielleicht ein wenig anders funktionierte wie ihre.


    Die Romulanerin musterte die drei Offiziere, von denen sie begrüßt wurden. Auf den ersten Blick schien es sich um Menschen zu handeln, doch dieser Commander Ataak hatte sehr dunkle Augen. ###Schwarze Augen? Vielleicht doch eher ein Betazoide?### Dieser Gedanke gefiel Selke instinktiv überhaupt nicht. Betazoiden waren Telepathen, und der Gedanke, dass jemand in ihren Gedanken herum stochern konnte, ohne dass sie das mitbekam, behagte ihr absolut nicht, obwohl es im Grunde nichts gab, das sie unbedingt hätte verbergen müssen. Sie stand zu ihrer Vergangenheit. Und dennoch... Ihr Unbehagen wuchs und gesellte sich zu dem unguten Gefühl, dass sie schon den ganzen Tag über hatte, und das trotz der Tatsache, dass sie das mit der Anomalie bereits hinter sich hatten, noch immer nicht verschwunden war. Für sie ein deutliches Indiz dafür, dass sie es noch nicht ganz ausgestanden hatten und da wohl noch irgendetwas nachkommen würde. ###Hoffentlich nicht das sprichwörtliche dicke Ende###, dachte sie ungewollt und spürte, dass sich in ihr Nervosität breit machte. Sie zwang sich, ruhig zu atmen und voll und ganz auf ihre Gastgeber und die Umgebung zu konzentrieren. ###Immerhin, auch Ensign Tanaka scheint sich in seiner Haut gerade nicht allzu wohl zu fühlen###, stellte die Sicherheitsoffizierin fest, und ein kleiner Teil von ihr war froh darüber, dass sie damit nicht so ganz allein war.


    Ensign Selke versuchte sich an einer ersten Einschätzung. Captain Anderson wirkte ruhig und strahlte auch eine gewisse Autorität aus, aber das wunderte Selke nicht. Immerhin war er der Kommandant dieses Schiffes. Doch trotz aller Freundlichkeit hielt er den Empfang kurz. Er wollte seine Antworten also so schnell wie möglich. Das konnte die Romulanerin durchaus nachvollziehen, doch es machte sie auch ein wenig misstrauisch, ohne dass sie hätte sagen können, warum. Und Commander Ataak... Ihn konnte sie nicht wirklich einschätzen. Aber wenn er ein Betazoide war, würde er zweifelsohne ihre Emotionen und Gedanken im Auge behalten. ###Der nahezu perfekte Wachhund###, schoss es ihr durch den Kopf, gefolgt von der Erkenntnis, dass er das womöglich mitbekommen hatte. ###Dann ist dem so. Ändern kann ich es jetzt eh nicht mehr###, stellte sie lakonisch in Gedanken fest. Blieb noch Ensign Tanaka, der Taktische Offizier. Jung wie sie selbst, und momentan nicht so ruhig, wie er vielleicht sein wollte. ###Ich wäre momentan auch gerne gelassener###, stellte Selke ein wenig missmutig fest, doch sie verspürte noch immer diese Unruhe, auch wenn sie sich darum bemühte, diese nicht zu zeigen. ###Ich kann derzeit nichts anderes tun, als wachsam zu bleiben, für meinen Captain Auge und Ohr zu sein und möglichst gut auf das Außenteam aufzupassen.### Dass sie dabei nur zu dritt auf einem Schiff voller potenzieller Feinde waren, machte die Situation dabei nicht besser. Sie hoffte, dass Petty Officer Tehrai sie von der Shenzhou aus gut im Auge behielt und im Ernstfall hier rausholen konnte. Dafür war ihre letzte Anweisung ja gewesen, und der Vulkanier sollte sie eigentlich auch erkannt haben.


    Da Captain Anderson bereits aber auf die Tür des Transporterraums deutete, setzte sich der gesamte Trupp dann auch schon in Bewegung und erreichte einige Minuten später den Konferenzraum der Benjamin Franklin, wo sie alle Platz nehmen sollten. Ensign Selke nahm dabei ganz selbstverständlich rechts von Commander Rix Platz, so als würde sie das immer so machen, auch wenn es tatsächlich das erste mal war. Die Sicherheitsoffizierin hatte unterwegs weiterhin alles im Blick behalten und nach Anzeichen möglicher Gefahren Ausschau gehalten, doch es hatte alles normal gewirkt. Das jedoch musste nichts heißen, wie sie sehr genau wusste. Und da ihr mieses Gefühl noch immer da war, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie am frühen Morgen, würde sie gerade jetzt nicht mit ihrer Wachsamkeit nachlassen. Das Reden allerdings würde sie lieber jenen überlassen, die dafür geeigneter waren als sie.



    [Wörter: 740]

    Ort des Geschehens: Korridore Deck 8 --> Transporterraum 1 --> Benjamin Franklin

    Beteiligte Personen: Junia Rix , Lt. Taylor (NPC, erwähnt)

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 11:58 Uhr ff.

    Status: Roter Alarm


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    Obwohl Commander Rix ein ordentliches Tempo vorlegte, als sie Richtung Transporterraum ging, hatte Ensign Selke keine Probleme, mit der Trill Schritt zu halten. Die Romulanerin war froh, dass Rix es ebenso sah wie sie selbst, dass Sicherheit vorging, sie jedoch hoffte, dass sie ihre Waffen nicht benötigen würden. ###Der beste Kampf ist immer noch der, den man gar nicht erst ausfechten muss###, dachte Selke, die sich nicht sicher war, ob sie dem Braten trauen konnten. Sicher, das andere Schiff hatte eine Kennung Sternenflotte, und sie waren auch so kontaktiert worden, wie es bei der Sternenflotte üblich war, doch war die Sternenflotte hier wirklich genau so wie die, die sie kannten? Das ließ sich momentan nicht mit letzter Gewissheit sagen. Auch deshalb hatte sie Commander Rix einen Phaser gegeben, wenn auch "nur" einen vom Typ 1. Abgesehen davon, dass Typ 2 eher die Standardwaffe der Sicherheit war, wollte sie nicht, dass ein völlig falscher Eindruck bei ihren Gastgebern entstand. Würden sie alle dort mit Phasern des Typs 2 erscheinen, mochte dies so aussehen, als würden sie ihre Gastgeber als ernste Gefahr oder gar Gegner ansehen, und diesen Eindruck sollte das Außenteam nicht erwecken. Mit dem kleineren Exemplar sah die Sache schon anders aus, denn so zeigte man nur, dass man in einer ungewöhnlichen Situation eine gewisse Vorsicht walten ließ.


    Die Romulanerin wusste, dass diese Stunden für sie eine Art Feuerprobe waren. Sie war an diesem Morgen als normale, einfache Sicherheitsoffizierin auf die Brücke gekommen und hatte aufgrund der herrschenden Umstände schließlich interimsmäßig die Leitung der Sicherheitsabteilung übernommen. Doch seit dem Erstkontakt mit der Anomalie hatten sich die Ereignisse quasi überschlagen, und es würde sich wohl erst rückblickend zeigen, ob sie ihre Arbeit gut gemacht hatte oder nicht. Und nun kam direkt noch der erste Außeneinsatz. ###Zumindest kann ich aber sagen, dass ich bislang zu jedem Zeitpunkt nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe###, dachte sie, als sie und Commander Rix praktisch zeitgleich mit Lieutenant Taylor, der sie beide kurz grüßte, am Transportarraum eintrafen.


    Zu dritt betraten sie den Raum, wo sowohl der Chief wartete, der sie hinüber beamen würde, als auch das Sicherheitsteam, das Selke noch als Eskorte angefordert hatte. Als ihr Captain jedoch erklärte, dass ein Sicherheitsteam nicht nötig wäre, war sie versucht, zu protestieren, doch sie unterdrückte den Drang dazu. ###Letztlich hat sie recht###, sinnierte sie. ###Es ist immer noch ein Schiff der Sternenflotte, auf das wir uns begeben.### Während Rix den Counselor über die Lage ins Bild setzte, sagte Selke leise zu einem ihrer Leute: "Geben Sie Petty Officer Tehrai auf der Brücke Bescheid. Er soll uns für alle Fälle mit den Sensoren erfasst halten." Der Angesprochene nickte bestätigend, und Selke hörte dem Rest von Rix' Erklärung zu. Ebenso wie Lieutenant Taylor würde auch sie selbst ihrem Captain so gut sie konnte zur Seite stehen. Anders als Taylor wohl eher schweigend, dafür aber mit wachsamen Augen und Ohren. Wie es um einen kühlen Kopf bestellt war, musste sich hingegen zeigen, denn die Romulanerin wusste nur zu gut um ihr Temperament. ###Das muss ich unbedingt zügeln! Wir können es uns derzeit nicht erlauben, die einzigen Leute zu verprellen, die uns helfen können###, dachte sie.


    Als Commander Rix dann die Transporterplattform betrat, nahm Selke ganz selbstverständlich den Platz zur Rechten ihres Captains ein, während Taylor sich auf der anderen Seite hin stellte, und schon gab Rix den Befehl, der sie auf die Benjamin Franklin brachte. Als sie dort materialisierten, musterte Selke sofort beinahe instinktiv die Umgebung und die Personen dort. Die drei Offiziere wurden von Selke besonders aufmerksam betrachtet, wobei sie dies jedoch so unauffällig wie eben möglich tat. Immerhin, die Begrüßung entsprach dem, was man von Offizieren der Sternenflotte erwarten durfte, und Captain Anderson stellte sich und seine Begleiter ebenso vor, wie Commander Rix das mit ihren tat. Für die Romulanerin klang es seltsam, offiziell als Sicherheitschef vorgestellt zu werden, doch es war aktuell eine Tatsache. Wenn auch eine vorübergehende, wie Selke nur zu genau wusste. Sobald Lieutenant Shras wieder fit war, würde er die Abteilung wieder übernehmen, immerhin war er ja eigentlich als Ersatz für Lieutenant Ral eingesetzt worden. Als Captain Anderson dann auf die Tür des Transporterraums deutete, wusste Selke, dass es jetzt ernst wurde und hoffte, dass Commander Rix ihrem Gegenstück die Situation würde erklären können, denn noch mehr Probleme konnten sie nicht gebrauchen.



    [Wörter: 718]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke, Taylor (NPC, erwähnt)

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 11:40 ff.

    Status: Roter Alarm


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    Ensign Selke hatte schnell festgestellt, dass die Informationen immer mehr wurden, je mehr Leute wieder in der Lage waren, ihre Situation zu erfassen und zu handeln, und so glich die Menge der hereinkommenden Daten ihrer Abteilung schon bald eher einem Tsunami. ###Damit hatte ich rechnen müssen###, dachte sie und atmete tief durch, was sie erneut aufkeuchen ließ. ###Verdammte Rippen!### Zudem musste sie sich ja auch um die Taktik kümmern, deren Daten sie bis auf Weiteres zu ihrer Station umgeleitet hatte. Als sie dann die Meldungen von Soleta und Valeris hörte, verkrampfte sich etwas in ihr. ###Soll das heißen...### Sie brachte den Gedanken nicht zu ende, denn die Stimme von Commander Rix platzte in diesen hinein mit dem doch sehr eindeutigen Befehl, sich gefälligst behandeln zu lassen. "Aye, Captain!"


    Die Romulanerin war zwar nicht sehr begeistert davon, kam dem Befehl jedoch nach und ließ sich darauf hin von Ensign Parker behandeln. Wie sie schon selbst erkannt hatte, waren Ring- und Mittelfinger der linken Hand geprellt, ebenso einige ihrer Rippen, und ihre Nase war gebrochen, doch es war nichts Kompliziertes, und die morderne Medizin machte es möglich, dass Emily diese Blessuren direkt vor Ort wieder in Ordnung bringen konnte, was auch nicht lange dauerte. Mit einem leisen "Danke!" und einem leichten Nicken ließ sie Emily wissen, dass sie deren Hilfe durchaus zu schätzen wusste, dann wandte sie sich wieder ihrer Station zu, um auch dem Rest von Commander Rix' Befehl nachzukommen.


    Und das erwies sich als gar nicht so einfach, wie ihr Petty Officer Tehrai zeigte, der sich das Problem schon mal angesehen hatte, während sie sich behandeln ließ. "Wer hat behauptet, dass das Leben einfach wäre?", murmelte Selke mit einem schiefen Grinsen. "Es hilft alles nichts, Petty Officer, wenn wir nicht mit Gegenständen nach eventuellen Gegnern werfen wollen, müssen unsere Defensivsysteme wieder voll einsatzfähig werden, also an die Arbeit." Die beiden steckten also erneut die Köpfe zusammen und versuchten zusammen mit den Leuten von Lieutenant Mitchell, die Defensivsysteme wieder zusammenzuflicken.


    Allerdings war an diesem Tag offenbar der Wurm drin, denn es wurde ein Schiff gemeldet, dass sich ihrer Position näherte. Zum Glück ein Schiff der Sternenflotte, aber wenn sie selbst aus einer für diese Leute fremden Zeitlinie stammten, mochte das Probleme geben. Und die Shenzhou war derzeit alles andere als gut in Schuss. Blieb zu hoffen, dass sich die hiesige Sternenflotte an die gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Regeln hielt wie die, die sie kannten, denn dann würde man erst Fragen stellen, und dann erst anderweitige Maßnahmen ergreifen.


    Die Romulanerin hörte sehr genau zu, wie das Gespräch lief und war wenig überrascht von dessen Verlauf. Dass Commander Rix dann zur Benjamin Franklin hinüber wollte, war ebenfalls keine allzu große Überraschung, wohl aber, dass sie Selke dabei haben wollte. Doch nur einen Moment später hätte sich diese selber am liebsten eine Ohrfeige verpasst. ###Du bist momentan Sicherheitschef, es ist eine unklare Situation, ist doch klar, dass sie dich dann dabei haben will, du dumme Nuss!### "Tehrai, Sie übernehmen für mich hier", sagte Selke nur und sah zu, dass sie Commander Rix und Taylor mit der üblichen Standardbewaffnung ausstatten konnte. Als sie zur Trill in den Turbolift trat, reichte sie ihr einen Handphaser Typ 1 und meinte: "Hier, Ihre Waffe. Ich hoffe zwar, dass wir sie nicht benötigen werden, aber man weiß ja nie." Sie stellte sich neben Rix, und da sie bereits gehört hatte, dass Transporterraum eins das Ziel war, gab sie nun als Ziel Deck acht an, wo sich dieser befand. Dort angekommen schlugen beide den Weg zu besagtem Transporterraum ein, und ohne dass Selke selbst es merkte, passte sie ihre Schritte denen ihres Captains an.



    [Wörter: 605]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 11:35 Uhr

    Status: Roter Alarm


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    Ensign Selke hatte mittlerweile Petty Officer Tehrai damit beauftragt, zu schauen, wer von den Sicherheitsleuten auf der Brücke wach und in der Lage war, anderen zu helfen und hatte angeordnet, dass sie sich um Verletzte kümmern sollten, soweit dies möglich war. Zumindest so lange, bis sich Angehörige des medizinischen Stabes sich um diese kümmern konnten. Sie selbst hatte jetzt genug damit zu tun, die hereinkommenden Daten ihrer Abteilung sowie der Taktik irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Denn solange niemand aus der medizinischen Abteilung hier war, um sich um die Verletzten zu kümmern, würde sie ihre Leute nicht von diesen abziehen. Zwar wünschte sich die Romulanerin in diesen Minuten ein paar zusätzliche Augen und Hände, aber sie biss zu allem entschlossen die Zähne zusammen, auch wenn die geprellten Finger ihrer linken Hand schmerzten und sie bei jedem Atemzug das Gefühl hatte, jemand würde ihr einen Dolch in die Rippen stoßen. Dass sie durch die zu geschwollene Nase kaum Luft bekam, machte es auch nicht besser, aber auch das interessierte sie gerade absolut nicht. Sie hatte hier eine Aufgabe zu erfüllen, und Romulaner waren dafür bekannt, eher tot umzufallen, als ihre Aufgaben nicht zu erfüllen. ###Gut, tot umkippen möchte ich hier jetzt auch nicht unbedingt###, dachte sie grimmig. ###Aber es gibt Leute, die Hilfe momentan weitaus dringender nötig haben.###


    Sie hörte, wie sich die Türen des Turbolifts öffneten. ###Zumindest funktionieren die noch. Das ist gut.### Sie warf erst nur einen kurzen Blick über die Schulter, doch als sie sah, dass Emily mit einem Tricorder auf sie zu kam, um sie zu untersuchen, drehte sich Selke endgültig zu ihr um. "Ensign Parker, gleich hier neben mir", sie deutete auf den Boden der Station neben ihrer, "liegt jemand, der dringender behandelt werden muss. Er hat sich offenkundig den Kopf angeschlagen, sein Puls war eben zwar stabil, aber schwach. Und einige andere hier sind ebenfalls noch bewusstlos." Sie sah Emily ernst an, wenn auch nicht unfreundlich, und fuhr ruhig fort: "Sie wissen ja, was man sagt: Solange ein Verletzter noch Laut gibt, kann es so schlimm nicht sein. Sorgen sollte man sich um die, die keinen Pieps mehr von sich geben." Sie schenkte Emily ein kurzes Lächeln um ihr zu zeigen, dass es ihr tatsächlich so schlecht nicht ging, auch wenn die zunehmenden Schwellungen im Gesicht, die der gebrochenen Nase geschuldet waren, die vermutlich bereits eingetretenen ebenfalls zugehörigen Verfärbungen, das getrocknete Blut und die Tatsache, dass sie halt mehr oder weniger durch den Mund atmete, anderes vermuten ließen. "Kümmern Sie sich erst um die, die Ihnen nicht sagen können, wo es weh tut. Alle anderen kommen erst einmal klar. Ich auch." Selke sah Emily noch einen Moment länger an, dann drehte sie sich wieder zu ihrer Station um, was nicht unhöflich oder respektlos gemeint war, sondern weil sie erstens viel zu tun hatte und zweitens aus ihrer Sicht alles gesagt war.



    [Wörter: 477]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 29.06.2399 Uhrzeit: 11:30

    Status: Roter Alarm


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    ###Dieser selten dämliche veruul! Musste der den Tritt unbedingt durchziehen...?### Ensign Selke spürte Schmerzen in ihrem Gesicht, und zwar genau dort, wo sich ihre Nase befand. ###Wenn ich Khiy in die Finger kriege...### Finger. Als sie die Finger ihrer linken Hand bewegte, zuckte ein kurzer, stechender Schmerz durch ihre ganze Hand und ließ die Romulanerin aufkeuchen. ###Aber wer hat behauptet, dass...### Moment. Irgendetwas stimmte nicht. Das mit Khiy und dem Tritt in ihr Gesicht, den er entgegen der Anweisung ihres Meisters durchgezogen hatte, statt ihn abzufangen, wie es im Training eigentlich üblich war, war eine halbe Ewigkeit her. "Was bei allen Elementen...", murmelte sie leise und merkte erst jetzt, dass sie den Geschmack von Blut im Mund hatte. Und da lag etwas auf ihr drauf. Als sie sich rührte, spürte sie einen Ellbogen, der sich schmerzhaft in ihre Rippen bohrte, und weil das mehr als unangenehm war, schob sie den Arm, der zu diesem Ellbogen gehörte, erst einmal beiseite. Das Atmen durch die Nase fiel ihr schwer, und als sie behutsam dorthin tastete, hörte sie ein Knirschen, das sie nur allzu gut kannte: Ihre Nase war offenkundig gebrochen, das kannte sie schon. Wer Kormerek praktizierte lebte immer mit dem Risiko, sich Knochen zu brechen. So war das nun mal. Und da Nasen dazu neigten, prominent hervor zu stechen, wurden sie häufiger mal getroffen. ###Das erklärt auch den Blutgeschmack###, dachte sie noch ein wenig träge, während ihre Finger der Blutspur Richtung Mund folgten. Dann warf sie einen Blick auf ihre Hände und bewegte ihre Finger. Sie konnte sie alle bewegen, nur an der linken Hand verursachte dies Schmerzen und Mittel- wie Ringfinger waren geschwollen, aber nicht verfärbt. ###Vermutlich eine Prellung###, versuchte sie sich mit einer ersten Einschätzung. Sie bewegte probehalber ihre Beine und Füße, doch dort war offenbar alles im Lot. Gut.


    Aber da war so ein Arm gewesen. Und da lag etwas auf ihr. ###Nicht etwas. Jemand###, korrigierte sie sich. Ein Techniker, der an der Konsole neben ihr gearbeitet hatte. Sie lag ungünstiger Weise mehr oder minder auf dem Bauch, wuselte sich nun aber mit einiger Mühe unter ihrem Nebenmann, der auf ihr gelandet war, hervor, sah ihn sich kurz an und überprüfte dessen Vitalfunktionen. Er hatte sich den Kopf angeschlagen und sein Puls war etwas schwach aber stabil. Ansonsten konnte sie auf den ersten Blick nichts entdecken, das akut gewesen wäre, und deshalb brachte sie ihn ohne das geringste Zögern in eine stabile Seitenlage, bevor sie sich ein wenig mühsam an seiner Station hoch zog.


    Im ersten Moment noch wankend sah sich Selke um und erkannte, dass die Brücke einiges abbekommen hatte. Und dann bemerkte sie sowohl, dass die taktische Konsole Feuer gefangen hatte, als auch Commander Rix, die neben Lieutenant MacTavish kniete. Die Romulanerin wusste, dass sich somit bereits um den Lieutenant gekümmert wurde, also machte sie sich auf den Weg zum Feuerlöscher, wobei sie zunächst noch ein wenig unsicher auf den Beinen wirkte. Und erst jetzt merkte Selke, wie schmerzhaft das Atmen war. ###Entweder habe ich mir die Rippen geprellt, als der Kollege mir unbeabsichtigt seinen Ellbogen da rein gejagt hat, oder es ist mindestens eine gebrochen###, dachte sie, während sie kurz das Gesicht verzog. Doch Feuer war eine ernst zu nehmende Gefahr, und dementsprechend ignorierte sie alles Weitere erst einmal. Vor der taktischen Konsole aktivierte sie den Feuerlöscher und bekämpfte das Feuer mit gezielten Salven. Als es gelöscht war, traf ihr Blick kurz den von Commander Rix, die sich kurz um sah. Die Romulanerin wusste, dass sie selbst gerade wohl kaum ein positives Bild bot mit dem grünen Blut, das aus ihrer Nase gelaufen war. ###Und bald wird in meinem Gesicht vermutlich alles geschwollen und hübsch bunt sein, sofern nicht frühzeitig gegengesteuert wird.### Aber das war ihr gerade ziemlich egal. Hatte ihr Captain eben nicht irgendetwas gesagt, das wie "Alle Stationen, Bericht!" geklungen hatte? Selke erinnerte sich eher dumpf daran.


    Der Blick der Romulanerin ging noch einmal kurz auf Isla, dann auf die taktische Konsole, die nach dem Feuer erst einmal hinüber war, dann noch einmal zu Commander Rix. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren begab sich die Romulanerin an ihre eigene Station und rief sich die Daten ihrer eigenen Abteilung sowie der Taktik auf. "Captain, wir haben unsere Schilde verloren, der Impulsantrieb ist auf 63%, die Waffensysteme sind derzeit nur zu 47% einsatzfähig, und wir haben Hüllenbrüche auf den Decks 9 und 10, sowie 18 bis 20. Die Kraftfelder halten. Außerdem sind die Langstreckensensoren ausgefallen. Mit den Kurzstreckensensoren kann ich kein Anzeichen einer Anomalie feststellen." Ensign Selke studierte die Daten. "Derzeit kann ich noch keine Angaben über Verletzte oder Tote machen." Aus ihrer eigenen Abteilung meldeten sich erste Teams, und sie ergänzte ihre erste Anweisung dahingehend, dass jedes Team sich erst einmal erkundigen sollte, wie es dem Team in den Sektoren unmittelbar nebenan ging. Sie hoffte, so schneller Rückmeldungen zu erhalten. "Erste Sicherheitsteams haben sich gemeldet, aber ich habe noch nicht von allen Rückmeldung erhalten. Jene, die sich gemeldet haben, kümmern sich bereits um Rettungswege und unterstützen die medizinischen Teams, wo es nötig ist." Sie studierte noch einmal sorgfältig die Möglichkeiten ihrer eigenen Station und gab ein leises Grollen von sich. "Ich versuche, die Schilde wieder herzustellen", verkündete sie schlicht und machte sich ans Werk, obwohl das nicht unbedingt ihr Fachgebiet war. Doch ihre taktische Offizierin war ausgefallen, und in dem Fall sah das Protokoll vor, dass der Sicherheitschef einsprang. Und nach aktuellem Stand der Dinge war sie das, wenn auch nur interimsmäßig.


    Ensign Selke arbeitete konzentriert und versuchte, die Schilde zu neuem Leben zu erwecken, doch es war eine mehr als ungewohnte Aufgabe für sie. Zwar hatte man ihr, wie allen Kadetten, alles nötige Wissen mitgegeben, um bestmöglich gewappnet zu sein für das, was sie hier draußen erwartete, doch das hier hatte recht wenig mit den Lektionen an der Akademie zu tun. Sicher, diese waren im praktischen Teil realistisch gestaltet, und dennoch... Das hier war anders. Und obwohl Selke sehr wohl wusste, was sie tat, merkte sie schnell, dass ihr Wissen und Können hier nicht reichte. "Petty Officer Tehrai, ich könnte hier Ihre Expertise brauchen", sagte sie schlicht. "Ich bekomme die Schilde alleine nicht wieder online."

    Falls der Vulkanier überrascht war von diesem Eingeständnis, so ließ er sich dies nicht anmerken. Statt dessen stellte er sich, nachdem er ihr kurz zugenickt hatte, schlicht zu Ensign Selke an die Station und ging ihr zur Hand. Mehr oder minder schweigend arbeiteten sie Hand in Hand, und nur ab und an wechselten sie sehr leise murmelnd das eine oder andere Wort. Damit bewiesen sie, dass Vulkanier und Romulaner durchaus friedlich zusammenarbeiten konnten, auch wenn der Vulkanier dabei definitiv der ruhigere Part von beiden war, denn von Selke war immer wieder mal ein leises Grummeln zu hören, einmal sogar ein deftiger romulanischer Fluch, wenn auch sehr leise. Doch schließlich atmete Selke auf und verkündete: "Captain, Schilde wieder online, wenn auch derzeit nur auf 15%." Und leise murmelnd fügte sie hinzu: "Hoffen wir, dass uns in der Zwischenzeit nichts anhustet..."

    "Ich wüsste nicht, warum irgendetwas ein Schiff anhusten sollte", gab Tehrai ebenso leise zurück, und Selke sah ihn mit einem Blick an, der deutlich zeigte, was sie von diesem Kommentar an dieser Stelle hielt. "Das war eine Metapher", grollte die Romulanerin, die sich gemütlich zurücklehnen wollte, doch im nächsten Moment aufkeuchte. Sie hatte ihre Rippen ganz vergessen, und die meldeten sich nun schmerzhaft zurück.

    "Sie sind verletzt, Ensign", stellte der Petty Officer überflüssiger Weise fest.

    Selke sah ihn an. Lange. "Damit sagen Sie mir nichts Neues."

    "Sie sollten sich behandeln lassen."

    "Was denn, wegen geprellter Finger, ein paar geprellter Rippen und einer gebrochenen Nase soll ich einen wertvollen Behandlungsplatz auf der Krankenstation verstopfen, den jemand anders dringender brauchen kann?" Selke hob eine Augenbraue. "Prellungen sind zwar schmerzhaft, aber ansonsten eher lästig. Und dass meine Nase gebrochen ist, kenne ich schon. Tut weh, ist lästig. Aber nichts von alledem ist lebensbedrohlich. Eine Behandlung kann demnach warten, bis die schwerwiegenderen Fälle abgearbeitet sind", stellte die Romulanerin ruhig fest, doch auch mit einem Unterton, der keinen Widerspruch duldete. Etwas gegen die Schwellungen und gegen die Schmerzen würde für den Anfang reichen. So sah sie das. Außerdem hatte sie hier mehr als genug zu tun, wie ihr ein Blick auf ihre Station verriet, denn inzwischen meldeten sich mehr und mehr ihrer Teams, und damit konnten diese auch ihren zugewiesenen Aufgaben nachkommen. ###Und wenn ich bedenke, wie es hier auf der Brücke aussieht, könnte ich mir vorstellen, dass es anderswo an Bord nicht viel besser aussieht. Also war es gut, dass ich alle Sicherheitskräfte mobilisiert habe.### Zwar gab es noch ein paar weitere Ausfälle in ihrer Abteilung, aber die Sicherheit war nach wie vor Einsatzfähig, wenn auch mit einer deutlich ausgedünnten Personaldecke.



    [Wörter: 1.448]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 10:41

    Status: Roter Alarm


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    Die Schockwelle traf das Schiff mit einer Urgewalt, mit der Ensign Selke einfach nicht gerechnet hatte. Sicher, dass es heftig werden würde, war ihr rein vom Verstand her klar gewesen. Dass sie alle dabei sterben konnten, ebenso. Aber die Heftigkeit des Aufpralls überraschte und erschütterte sie dennoch. Doch Zeit, darüber nachzudenken, hatte sie keine. Zwar hatte die Romulanerin noch eine Warnung an alle herausgegeben und hoffte inständig, dass dadurch vielleicht ein paar Leute weniger oder zumindest nicht ganz so übel verletzt wurden, sie selbst schaffte es jedoch nicht, sich festzuhalten. Zwar waren romulanische Frauen stärker als zum Beispiel menschliche, doch ihre größere Kraft half ihr gegen diese brachiale Urgewalt auch nicht mehr weiter, zumal das Schiff von achtern getroffen wurde, während es sie selbst damit aber von der Seite her erwischte. Eine ziemlich suboptimale Konstellation.


    Was dann aber passierte, irritierte und faszinierte Ensign Selke gleichermaßen. Denn obwohl sie aus ihrer Sicht zur Seite geschleudert wurde, schien es ihr, als würde die Szene irgendwie... eingefroren. Oder würde sich nur noch extrem langsam bewegen. So interessant dieses Phänomen auch war, sie hatte nicht lange etwas davon, denn merkwürdigerweise wurde es schwarz um sie herum. Dennoch wusste sie, dass es die Kante der Konsole neben ihrer war, die sie mit ihrem Gesicht ziemlich hart streifte, und sie meinte auch, ein verräterisches Knirschen zu hören. Zudem prallte sie mit ihrer linken Hand unsanft gegen etwas Hartes. Der Fuß vom Sessel ihres Nebenmanns? Der hatte sich offenbar besser halten können als sie, denn sie spürte, wie er auf sie fiel. Ihre Hand schmerzte, ihre Nase auch, und dass der Ellbogen ihres Nebenmanns in ihren Rippen landete und ihr damit die Luft aus den Lungen trieb, machte die Situation auch nicht besser und gab der Romulanerin diesmal fürs erste den Rest.



    [Wörter: 295]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 10:40

    Status: Roter Alarm


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    Ensign Selke hatte das dumme Gefühl, dass die Zeit irgendwie nicht um gehen wollte. Aber so war es ja irgendwie immer, wenn man auf etwas Bestimmtes wartete. Sie seufzte. ###Warten ist echt nicht meine Stärke###, dachte sie schon zum wiederholten Male und starrte auf die Anzeigen vor sich. ###Ich frage mich, ob T'Vin und di Marco irgendetwas Interessantes herausfinden###, fragte sich die Romulanerin am Rande, als ihr Blick kurz einmal auf den Daten verweilte, die anzeigten, dass sich die beiden im Quartier von Lieutenant Ral aufhielten. Selke glaubte noch immer nicht, dass jemand sich mit dem Tellariten angelegt hatte, sondern vermutete eher, dass die Anomalie in irgendeiner Form damit zu tun hatte, dass der momentan strafversetzte Sicherheitschef jetzt ein Fall für die Mediziner an Bord war. ###Glaube nichts, bevor du es nicht überprüft hast!### meinte sie die Stimme ihres Vaters zu hören und stimmte ihr gedanklich zu. Erst, wenn ein Fremdverschulden sicher ausgeschlossen werden konnte, würde sie diese Möglichkeit zu den Akten legen.


    Doch plötzlich kam Bewegung in die Situation mit der Meldung, dass die Rekonfiguration des Hauptdeflektors abgeschlossen war. ###Sieht aus, als würde der Spaß jetzt losgehen###, dachte Selke grimmig, und als Soleta Ensign Cumberland den Befehl gab, sich und ihr Team in Sicherheit zu bringen, informierte Selke wie versprochen Ensign T'Vin und Petty Officer di Marco, dass es gleich ungemütlich werden würde und sie sich irgendwie versuchen sollten, zu sichern. Dann hörte sie den Befehl an Mitchell und spürte den Ruck, als der Warpkern ausgestoßen wurde. Ihm folgte kurz darauf ein Torpedo. Selke beobachtete wie alle anderen hier auf der Brücke auch die Detonation und hoffte, dass der nun folgende Solitonimpuls tatsächlich das erreichen würde, was sie alle hofften, nämlich dass die Bewohner dieses Sektors damit in Sicherheit sein würden.

    Dass Commander Soleta den Befehl für die Kursänderung an Ensign Winter gab, war zwar ungewöhnlich, doch ungewöhnliche Situationen erforderten bisweilen ungewöhnliche Maßnahmen. Die LWO wusste offensichtlich genau, was zu tun war, und Zeit zum Diskutieren war keine vorhanden. Es musste jetzt schnell gehen.

    Als auf die Heckansicht geschaltet wurde, war die Subraumschockwelle deutlich zu erkennen, die rasend schnell heran rauschte. Selke schluckte und reagierte rein instinktiv. ***Brücke an alle: Bereitmachen für Einschlag! Wiederhole: Bereitmachen für Einschlag!***

    Sie selbst musste die Augen inzwischen zusammenkneifen, weil die Helligkeit ihr die Sicht nahm, und sie versuchte sich festzuhalten. Doch als die Schockwelle das Schiff erfasste, erwies sich dieser Versuch als wenig wirkungsvoll.



    [Wörter: 401]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 10:05

    Status: Roter Alarm


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    Kurz nach der Ansprache von Commander Rix registrierte Ensign Selke, wie Ensign Parker die Trill ansprach und darum bat, die Brücke verlassen zu dürfen, da sie auf der Krankenstation derzeit mehr würde bewirken können als hier. Und Rix hatte nichts dagegen. ###Ich bin mir sicher, dass auch Doktor Saar nichts dagegen haben wird, wenn sie Unterstützung bekommt###, sinnierte Selke, die sich sehr gut vorstellen konnte, dass die Krankenstation derzeit gut besucht war. Sie brauchte dazu nur einen Blick auf die Ausfälle in ihrer eigenen Abteilung zu werfen und das auf die übrigen zu übertragen, um sich das Ausmaß vor Augen zu halten. Dementsprechend war sie sich sicher, dass das medizinische Personal bereits alle Hände voll zu tun hatte und Unterstützung da willkommen war.


    Sie selbst behielt weiterhin die Daten ihrer Station im Auge, denn als interimsmäßige Sicherheitschefin war ihr Platz jetzt nunmal auf der Brücke, auch wenn sie noch etwas Zeit hatten, bis es soweit war Soletas Plan in die Tat umzusetzen. Ein leises Piepsen erregte ihre Aufmerksamkeit. Es war ein Bericht von einem der Sicherheitsteams. Sie öffnete ihn und las ihn durch. Es ging dabei um die Auffindung von Lieutenant Ral in dessen Quartier. Dem Bericht zufolge hatte das Quartier des ursprünglichen Sicherheitschefs, genau so stand es im Bericht, ausgesehen, als wenn dort ein Wirbelsturm durchgezogen wäre. Das, und die Tatsache, dass der Lieutenant bewusstlos und von seinem Kommunikator getrennt am Boden gelegen hatte, hatte den Schreiber des Berichts bewogen, das Quartier des tellaritischen Offiziers zum Tatort zu erklären und dementsprechend abzuriegeln. Ensign Selke hob eine Augenbraue. ###Wie schön, dass ich jetzt durch den Bericht davon erfahre, dass das Quartier des Lieutenants als Tatort abgeriegelt worden ist###, dachte sie angesäuert. Eigentlich hätte sie umgehend davon in Kenntnis gesetzt werden müssen. Zumindest hätte eine Meldung an die Sicherheitsstation auf der Brücke gesendet werden sollen. Das war üblich. Selke vergewisserte sich, doch da war keine entsprechende Meldung. ###Da wird später ein klärendes Gespräch fällig###, befand die Romulanerin. ###Aber nicht jetzt sofort.### Sie setzte den Punkt inklusive der Namen der Mitglieder des entsprechenden Sicherheitsteams auf ihre To-do-Liste und überlegte. ###Eigentlich würde ich mich gerne selbst um die Sache mit dem Quartier von Lieutenant Ral kümmern. Immerhin war er anfangs der Sicherheitschef dieses Schiffes, und jetzt ist sein Quartier ein möglicher Tatort, auch wenn ich nicht wirklich glaube, dass ihm jemand das Fell auf links gebürstet hat.### Selke kaute mal wieder in Gedanken auf ihrer Unterlippe herum. ###Aber eine gründliche Untersuchung muss, da sein Quartier als möglicher Tatort abgesperrt wurde, sein, und ich will mir schließlich keine schlampige Arbeit nachsagen lassen. Und eine gründliche Untersuchung kann ich nicht in weniger als einer Stunde abschließen. Doch momentan ist mein Platz hier auf der Brücke.### Sie rief sich den aktuellen Dienstplan auf und schaute, wem sie die Untersuchung anvertrauen konnte. Schließlich suchte sie sich noch zwei andere Mitarbeiter aus der Sicherheit, die nun umverteilt werden würden.

    ***Ensign Selke für Petty Officer Argon.***

    ***Hier Petty Officer Argon, Ma'am***, kam die prompte Antwort.

    ***Petty Officer, Sie werden bis auf weiteres Ensign T'Vin auf Deck zwölf ablösen.***

    ***Verstanden, Ma'am. Argon Ende.***

    Selke hakte den ersten Punkt ab und wandte sich dem nächsten zu. ***Ensign Selke für Petty Officer xh'Shandra, kommen Sie umgehend auf die Brücke. Selke Ende.*** Blieb noch eine Person. ***Ensign Selke für Ensign T'Vin.***

    ***Hier T'Vin.*** Vulkanisch kurz. Selke mochte das.

    ***Ensign, Sie werden gleich von Petty Officer Argon abgelöst, denn ich habe einen anderweitigen Auftrag für Sie. Ich möchte, dass Sie zusammen mit Petty Officer di Marco das Quartier von Lieutenant Ral, das als möglicher Tatort abgeriegelt wurde, untersuchen. Finden Sie heraus, was dort vorgefallen ist und erstatten Sie mir anschließend Bericht.*** Die Romulanerin hielt kurz inne und fügte dann hinzu: ***Angesichts der Tatsache, dass es in weniger als einer Stunde ziemlich ungemütlich werden dürfte, sollten sie sich beide darauf vorbereiten, sich in irgendeiner Form abzusichern, um nach Möglichkeit nicht den Halt zu verlieren. Ich werde zusehen, dass ich sie noch einmal kurz vorher warne.***

    ***Verstanden, Ma'am. Ich treffe mich demnach mit Petty Officer di Marco vor dem Quartier von Lieutenant Ral?***

    ***Korrekt. Sie beide haben mein vollstes Vertrauen, was diese Angelegenheit betrifft. Viel Erfolg! Selke Ende.*** Die Romulanerin schloss den Kanal und sah zu di Marco. "Ich nehme an, Sie haben mitgehört?"

    Der Petty Officer nickte. "Ja, Ma'am. Ich bin schon unterwegs." Mit den Lippen formte er ein stummes "Mille grazie", das Selke mit einem leichten Kopfnicken quittierte. Mit einem Lächeln sah sie, dass der Andorianer xh'Shandra gerade in dem Moment eintraf, als di Marco die Brücke verlassen wollte. Perfektes Timing. Selke verfasste dann umgehend eine Information an Commander Valeris, dass das Quartier von Lieutenant Ral als möglicher Tatort gesperrt worden war und sie ein Zweierteam bestehend aus Ensign T'Vin und Petty Officer di Marco mit der Ermittlung beauftragt hatte. Nachdem sie diese abgeschickt hatte, widmete sich Ensign Selke wieder den Anzeigen ihrer Station.



    [Wörter: 812]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 10:00

    Status: Roter Alarm


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    Irgendwo am Rande bekam Ensign Selke mit, dass Commander Rix deutlich nach Lieutenant Commander Soleta wieder aus dem Bereitschaftsraum heraus kam. ###Scheint, als hätte unser Captain ein paar Momente gebraucht, das zu verdauen, was unsere LWO ihr zu sagen hatte###, schlussfolgerte die Romulanerin. Doch immerhin verlor Commander Rix nun keine Zeit und ließ sich von Ensign Winter den aktuellen Status des Schiffes geben. Der gab zwar noch immer keinen Anlass, in lauten Jubel auszubrechen, doch dank der Tatsache, dass ihnen die Hauptenergie wieder zur Verfügung stand, sah ihre Situation nicht mehr ganz so düster aus. ###Zumindest solange man das Ganze nur oberflächlich betrachtet.### Und da war er wieder, der berüchtigte romulanische Pessimismus. Oder war sie einfach nur realistisch in ihrer Art, die Dinge zu sehen? Selke zuckte innerlich die Schultern. Auch die Meldung von Lieutenant MacTavish hätte besser sein können, doch so lange noch einige Torpedos abgefeuert werden konnten, würde es möglich sein, Soletas Plan in die Tat umzusetzen, und das war schließlich alles, was zählte.


    Dann schien Commander Rix kurz und sehr leise mit Commander Valeris zu sprechen, bevor sie sich schließlich erhob, ihre Uniform glättete und Ensign Winter den Befehl gab, den schiffsweiten Kanal zu öffnen. Dann begann die Trill mit ihrer Ansprache, und Ensign Selke hörte ebenso gebannt zu wie alle anderen, die auf der Brücke waren. Und das galt sicherlich auch für alle anderen Leute an Bord. Die Romulanerin fand die Ansprache ihrer Kommandantin wirklich gelungen, denn sie erinnerte die Männer und Frauen an Bord nicht nur an den Ernst der Lage, sondern sprach ihnen allen auch ihr vollstes Vertrauen aus, unabhängig von Rang oder Herkunft. Schon alleine das mochte für viele ein zusätzlicher Ansporn sein.


    Vor allem, dass es Rix nicht interessierte, welcher Spezies man angehörte, war für Selke selbst ein Ansporn, denn als Romulanerin hatte sie hier in der Föderation und zumindest an der Akademie der Sternenflotte oftmals eben kein Vertrauen bekommen, sondern eher das genaue Gegenteil. Diese Ansage von Commander Rix stärkte in ihr die Entschlossenheit, ihr Bestes zu geben, auch wenn sie gefühlt momentan nicht viel tun konnte, um die Situation zu verbessern. Doch sie konnte ruhig bleiben und versuchen, dass sich diese Ruhe auf die anderen Mitarbeiter der Sicherheit übertrug. Zumindest auf diejenigen, die hier auf der Brücke waren und noch immer nervös wirkten, Mitarbeiter wie Petty Officer di Marco.


    Als Selke dann den letzten Satz von Commander Rix hörte, musste die Romulanerin unwillkürlich grinsen, denn diese Worte erinnerten sie verdächtig an das, was sie selbst kurz zuvor noch gedacht hatte. ###Also will unser Captain dieser Anomalie ebenfalls mit Anlauf in den metaphorischen Allerwertesten treten###, dachte die Romulanerin mit einem verräterischen Funkeln in ihren grüngrauen Augen, und ihre Laune besserte sich deutlich. ###Da bin ich dabei, Cap, da bin ich dabei!###



    [Wörter: 460]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 09:48 ff.

    Status: Roter Alarm


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    In der konzentrierten Stille, die auf der Brücke herrschte, saß Ensign Selke vor ihrer Station und ließ die Krisensitzung noch einmal vor ihrem geistigen Augen revue passieren. Dass Commander Valeris am Ende Botschafter Spock zitiert hatte, der in seinen jüngeren Jahren selbst ein Offizier der Sternenflotte gewesen war, hatte Selke selbst nicht unbedingt als hilfreich empfunden, auch wenn an diesem Zitat in diesem Fall etwas dran gewesen war. ###Spock... Wie viele Agenten des Tal Shiar haben nach ihm gefahndet und ihn zu fassen versucht?### schoss es der Romulanerin durch den Kopf. Sie hatte damals zwangsläufig einiges davon mitbekommen, da ihr Vater ja ein hochrangiger Offizier beim romulanischen Geheimdienst gewesen war. Und dieser spezielle Vulkanier war ziemlich oft Gesprächsthema gewesen. Auch zuhause am Esstisch. Aber mehr als die Erwähnung von Botschafter Spock verblüffte es Selke, dass Commander Valeris ihnen allen gegenüber eingestand, selbst Angst zu haben. ###Sie wollte uns damit Mut wohl machen###, begriff die Romulanerin. ###Vor allem uns Jungspunden, vermute ich.### Ein leichtes Lächeln umspielte daraufhin ihre Lippen. ###Aber glaubt sie wirklich an unser Überleben, wenn wir alle zusammenarbeiten? Oder will sie das nur selber gerne glauben?### Selke wusste es nicht. Aber auch ihr persönlich war es lieber, von ihrem Überleben auszugehen, auch wenn die Chancen dafür gering waren. Sie warf einen Blick zu Commander Valeris. ###Irre ich mich, oder wirkt unsere XO ein wenig blass um die Nase?### Die Romulanerin ließ kurz ihren Blick schweifen, bevor sie wieder auf die Anzeigen ihrer eigenen Station sah. ###Vermutlich sehe ich selbst kein Stück besser aus###, sinnierte sie. ###Angesichts dessen, was wir vor uns haben, wäre es auch nicht normal, keine Angst zu haben. Und wer Angst hat, ist gerne mal blass um die Nase.### Sie atmete tief durch.


    Was der Romulanerin am meisten zu schaffen machte, war das Warten. Sie versuchte zwar, dies als ganz normalen Arbeitstag zu betrachten und ganz normal ihre Arbeit zu tun, doch es funktionierte nicht. Sie konnte einfach nicht ausblenden, dass da draußen drei Anomalien und ein stetig größer werdendes "Nichts" waren. Und dann gingen plötzlich die Lichter wieder an. ###Sieh an, sieh an, die Technik hat es geschafft###, dachte Selke in einem Anflug von Erleichterung. ###Unsere Hauptenergie ist wieder da.### Ein kurzes, grimmiges Lächeln huschte über ihr Gesicht. Dass die Hauptenergie wieder da war, war ein gutes Zeichen und kam genau zur rechten Zeit. Die Meldung von Mitchell ließ sie jedoch aufhorchen. ###Da war etwas an unserem Schiff, das die Energie lahmgelegt hat? Wo, bei allen Elementen, kam das denn her? Und was ist das für ein Ding?### fragte sich die Romulanerin. ###Haben wir das aus Versehen beim Erstkontakt mit einer der Anomalien aufgelesen?### Was immer es war, es hatte sie zusätzlich gefährdet, und das gefiel ihr überhaupt nicht. ###Darum werden wir uns später kümmern. Erst mal müssen wir diesem gefräßigen Ding da draußen das Maul stopfen###, dachte sie grimmig. ###Und wenn wir das überlebt haben, sehen wir weiter. Dann können wir uns dieses Ding immer noch ansehen. Na ja, genauer gesagt, die Techniker. Aber mich interessiert es irgendwie auch.### Ein leises Grollen entfleuchte ihrer Kehle, und sie murmelte sehr, sehr leise in ihrer Muttersprache: "Neugier brachte die Rihanha um..." Sie schloss kurz die Augen. ###Eines nach dem anderen. Erst diesem Ding da draußen das gefräßige Maul stopfen. Dann sehen, dass wir das Chaos an Bord, das möglicherweise herrschen wird, in den Griff bekommen. Dann sehen wir weiter. immer schön einen Schritt nach dem anderen.### Doch fürs erste hieß es weiter warten, und Selke wünschte sich, so blöd es auch klingen mochte, dass es endlich soweit war.



    [Wörter: 592]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 09:38

    Status: Roter Alarm


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    Ensign Selke entging nicht, wie Lieutenant Commander Soleta und Commander Rix miteinander sprachen. ###Vermutlich wird Soleta Rix jetzt über das komplette Ausmaß der Situation in Kenntnis setzen und dann mit ihr das weitere Vorgehen absprechen###, dachte die Romulanerin, die sich daraufhin daran machte, einen vorläufigen Bericht für ihren Captain zu verfassen. Immerhin hatte sie zuvor lediglich von mehreren Zwischenfällen gesprochen, was zwar den Tatsachen entsprach, jedoch alles andere als präzise war. Und Commander Rix würde sicherlich gerne genaueres wissen. Außerdem wollte sich Selke nicht nachsagen lassen, dass sie schlampige Arbeit leistete.


    Also rief sie sich die erforderlichen Daten auf und fasste diese für Commander Rix übersichtlich zusammen. Es waren nicht wirklich viele Zwischenfälle gewesen, aber eben doch einige, und die hingen, so die Ansicht Selkes, ziemlich eindeutig mit dem Einfluss der Anomalien zusammen. So hatten einige Leute aggressiver reagiert als normal, was hier und da zu Handgreiflichkeiten geführt hatte, einige Personen waren einfach nur verwirrt gewesen und hatten dadurch hier und da den Betrieb gestört, so dass sie von der Sicherheit hatten entfernt werden müssen. Der kurioseste Fall war dabei sicherlich der Flitzer im Arboretum gewesen, der fest davon überzeugt gewesen war, das Arboretum wäre ein Strand auf Risa gewesen. Selke fügte noch an, dass sie die Beteiligten der Handgreiflichkeiten später noch vernehmen würde, jedoch erst nachdem die aktuelle Krise vorüber war und die Beteiligten vernehmungsfähig waren. Auf wie viele dies zutraf, dazu lag ihr aktuell noch keine Meldung vor, da andere Dinge aus Sicht der Mediziner derzeit Priorität hatten. Zuletzt setzte sie noch den aktuellen Stand der Dinge in der Sicherheitsabteilung darunter, wie die Höhe der Ausfälle, Anzahl der verbliebenen Sicherheitskräfte, und dass sich Ltjg Shras und Ltjg McGregor beide auf der Krankenstation befanden, ersterer dabei auf der Intensivstation. Anschließend las sie den Bericht noch einmal gründlich durch, zum einen um Fehler auszuschließen, zum anderen um zu schauen, ob es vielleicht Dinge gab, die sie besser umformulieren sollte. Doch sie war zufrieden. Er enthielt alles an Informationen, was Commander Rix wissen musste. Dementsprechend schickte sie den vorläufigen Bericht schließlich auch direkt an Commander Rix und lehnte sich dann ein wenig zurück, ohne dabei die Anzeigen ihrer Station aus den Augen zu lassen.


    Zwar blieb ihnen noch etwas Zeit, doch Selke konnte nicht anders und stellte sich die Frage, ob es etwas gab, das sie bereute. Doch nach längerer, reiflicher Überlegung kam sie zu dem Schluss, dass es nur zwei Dinge gab, die sie wirklich bedauerte. Das Erste war, dass der Mörder ihrer Schwester wohl immer noch frei herum lief und wohl auch nie zur Rechenschaft gezogen werden würde, denn Verräter zu eliminieren galt unter Rihannsu nicht als Mord, sondern als Dienst an der Gesellschaft. Das Zweite war, dass der Ruf ihres Vaters und ihrer gesamten Familie im Romulanischen Reich unwiederbringlich ruiniert war, auch wenn ihr Vater nur ein Sündenbock und keineswegs der Hochverräter gewesen war, den man aus ihm gemacht hatte. Diese beiden Dinge bedauerte sie, doch sie wusste auch, dass es Dinge waren, die sie nicht ändern konnte. Von dem, was sie selbst bislang in ihrem Leben getan hatte, gab es nichts, das sie zu bereuen hatte. Sie stand dazu, dass sie an Bord der Liorae'akhiy damals während ihrer Pflichtdienstzeit einen Befehl in den Wind geschossen hatte, um Kameraden in Not zu unterstützen, was ihr letztlich zu einem festen Posten in der Sicherheitsabteilung eingebracht hatte. Sie stand auch zu der Klopperei an der Seite der Andorianerin Parva gegen diese drei Burschen, die etwas dagegen gehabt hatten, dass die Romulanerin an die Sternenflottenakademie gehen wollte und die Andorianerin sie unterstützte. Immerhin hatten sie sich nur verteidigt, auch wenn es ihr selbst ausgesprochen gut getan hatte, mal Dampf ablassen zu können. Sie konnte selbst zu dem Fehler stehen, bei dem sie aus Versehen einen Photonentorpedo abgefeuert hatte, statt die Grußfrequenzen zu öffnen. Das war zwar nur eine Simulation gewesen, aber das hatte sich damals auf dem Campus rasant verbreitet und ihr den Beinamen "Kanonenbootdiplomatin" eingebracht, den sie bis zum Ende nicht losgeworden war, obwohl sie diesen Fehler nie wiederholt hatte. Sie musste unwillkürlich grinsen bei dieser Erinnerung. Zum Glück konnte das gerade niemand sehen. Sie verbarg das Grinsen wieder sorgfältig und begann damit, sich ihr kleines Zusatzprogramm noch einmal anzusehen. ###Nein, ich bereue nichts. Und wenn heute für mich alles enden sollte, dann weiß ich, dass wir alles getan haben, um Milliarden von Leben zu schützen. Und wenn es heute nicht endet, und darauf hoffe ich, dann umso besser!###


    Man sagte Romulanern ja ganz gerne schon mal einen gewissen Pessimismus nach, doch Selke wollte lieber positiv denken, auch wenn das gerade nicht ganz einfach war. Und so ging sie lieber vom Überleben der Crew der Shenzhou aus. Und genau deshalb sah sie sich ihr kleines Zusatzprogramm noch einmal an in der Hoffnung, es noch ein wenig modifizieren und verbessern zu können. ###Es wäre sogar noch Zeit, für eine kleine Simulation des Programms###, dachte sie mit einem kurzen Blick auf ihren Chronometer. Die Frage war nur, sollte sie es tun oder nicht? Sie entschied sich für eine Simulation, nachdem sie ein paar leichte Veränderungen vorgenommen hatte. So würde das Programm auch später nutzbar sein, wenn die Sicherheitsteams im Blick behalten werden sollten, und es würde sich problemlos auch auf andere Gruppen anpassen lassen. Es gab zwar noch immer einiges, was verbessert werden konnte, aber wie sagte man so schön? Immer einen Schritt nach dem anderen. Das galt besonders dann, wenn man versuchte, Programme zu schreiben, die sich nahtlos in die Computerroutinen eines Schiffes der Sternenflotte einfügen mussten. ###Und wieder einmal muss ich meinem Vater danken für das, was er mich gelehrt hat, auch wenn er mir manche dieser Dinge vielleicht nicht hätte beibringen dürfen. Aber zusammen mit dem, was ich an der Akademie gelernt habe, reicht das, um so etwas zu schreiben.### Sorgfältig sah sie die Zeilen noch einmal durch, ließ ein letztes Mal die Simulation durchlaufen, dann fügte sie es, wie schon Stunden zuvor, ein, ohne es jedoch schon zu aktivieren. Das würde sie dann wohl später tun, sobald die Situation es sinnvoll erscheinen ließ. Zumindest schuf sie schon mal eine Verbindung zu den Daten, welche Teams wo eingesetzt werden würden, damit das Programm arbeiten konnte.


    Dann, und erst dann, lehnte sich Selke ein wenig entspannter zurück, nach wie vor ohne die Anzeigen völlig aus den Augen zu lassen. Noch immer herrschte um sie herum eine gespenstische Stille, während alle hier auf der Brücke voll konzentriert arbeiteten. Die Romulanerin erlaubte es sich nun doch, sich mal kurz umzusehen. Die Anspannung stand allen ins Gesicht geschrieben, einige wirkten etwas blass um die Nase. ###Ich sehe vermutlich kein Stück besser aus###, sinnierte Selke. Doch als sie ihre Kameraden hier so sah, wie sie angesichts der drohenden Katastrophe konzentriert arbeiteten, um Milliarden von Leben zu retten, empfand die Romulanerin durchaus einen gewissen Stolz darauf, Teil davon sein zu dürfen. Mit neuer Entschlossenheit drehte sie sich wieder zu ihrer Konsole um und erledigte ebenso konzentriert wie ihre Kollegen ihre Arbeit.



    [Wörter: 1.156]

    Ort des Geschehens: Brücke

    Beteiligte Personen: alle auf der Brücke

    Datum: 10.11.2377 Uhrzeit: 09:37

    Status: Roter Alarm


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    Alle auf der Brücke arbeiteten voll konzentriert, denn jedem hier war klar, wie ernst die Lage war, in der sie sich befanden. Das galt auch für Ensign Selke, die dabei war, Vorbereitungen für die Zeit nach der Druckwelle zu treffen. Denn dass sie von einer solchen getroffen werden würden, war Fakt. Die Frage war nur, ob es sie dabei zerlegen würde, oder ob sie die Druckwelle überstehen würden. Und getreu dem Motto "Gehe vom Schlimmsten aus, aber hoffe das Beste" ging Selke von ihrem Überleben aus, auch wenn die Chancen dafür offenbar nicht allzu gut standen.


    ###Die Schockwelle, die wir verursachen, wird uns zweifelsohne ordentlich durchschütteln###, überlegte die Romulanerin nachdenklich. ###Ich muss also davon ausgehen, dass hier anschließend wirklich das Chaos herrschen wird.### Also legte sie sich einen Plan zurecht, um später nicht komplett improvisieren zu müssen. Die Bereitschaft aller verfügbaren Sicherheitsoffiziere war bereits eingeholt, würde aber nach Kontakt mit der Druckwelle noch einmal verifiziert werden müssen. Doch zumindest waren alle soweit mobilisiert. Wichtig würde sein, dass die Rettungswege frei waren und die medizinischen Teams unterstützt wurden. Sorgfältig kümmerte sich Selke schon mal um eine möglichst effiziente Verteilung der zusätzlichen Sicherheitsteams und gab entsprechende Anweisungen auch schon mal heraus, damit sich alle vorbereiten konnten.


    Aufgrund ihres guten Gehörs, was ihr Volk mit den Vulkaniern gemein hatte, bekam sie das Gespräch zwischen Soleta und Isla mit. ###Gut zu wissen, dass wir vor der Strahlung halbwegs geschützt werden können###, dachte Selke. ###Wenn wir das hier überleben, dann wenigstens nicht gut durchgeröstet...### Galgenhumor. Die Anweisungen, die Soleta Lieutenant MacTavish gab, waren sehr präzise, und ebenso präzise musste die Arbeit von Isla dann auch sein. Da würde sich dann zeigen, wie gut die TO in ihrem Fach wirklich war.


    ###Das ist einer der Momente, wo ich definitiv nicht mit ihr würde tauschen wollen###, dachte Selke mit einem unbewussten Schlucken, und erinnerte sich ungewollt und vollkommen unpassend an eine Situation aus ihrer Zeit an der Akademie, als sie in einer Simulation an der taktischen Konsole gestanden und statt die Grußfrequenzen zu öffnen einen Torpedo auf das cardassianische Schiff abgefeuert hatte... Sie schüttelte in einer unwilligen Geste den Kopf, als würde sie diese Erinnerung so loswerden können, und konzentrierte sich lieber wieder auf ihre Arbeit.


    Zumindest wollte sie das, doch dann passierte etwas, mit dem hier auf der Brücke zu diesem Zeitpunktwohl niemand gerechnet hatte: Commander Rix erschien wieder auf der Brücke. Selke war einerseits überrascht, die Trill hier zu sehen, andererseits auch wieder nicht. Die Romulanerin wusste, dass es Kommandanten gab, die man auf der Krankenstation festbinden musste, wenn man sie unbedingt dort behalten wollte, weil deren Pflichtgefühl einfach so groß war, dass sie sich in Zeiten von Krisen nicht davon abhielten ließen, dorthin zu gehen, wo man sie brauchte: auf die Brücke. Ihr Vater war genauso gewesen. Ob das bei Commander Rix auch einfach nur Pflichtgefühl war, oder etwas anderes, vermochte Selke nicht zu sagen. Es gab noch immer vieles, das sie nicht so ganz verstand. Doch sie war froh, dass Commander Rix wieder hier auf der Brücke war. Und als Rix von allen Stationen einen Bericht anforderte, sagte die Romulanerin, als sie an der Reihe war: "Es gab durch den Einfluss der Anomalie mehrere Zwischenfälle, die ein Eingreifen der Sicherheit erforderlich machten, doch im Großen und Ganzen ist die Lage ruhig. Ich habe inzwischen alle verfügbaren Sicherheitsoffiziere mobilisiert. Diese zusätzlichen Kräfte halten sich bereit, falls es nachher chaotisch zugehen sollte."



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